Türkeisegeln 2012

Nächstes Jahr haben wir einen etwas verrückten Plan verwirklicht. Einen Kombi-Ausflug in die Türkei: erst mit dem Auto dort ankommen, was an sich ein interessanter Ausflug ist, dann eine Woche lang die antiken Sehenswürdigkeiten der ägäischen Küste vom Land aus besuchen, und anschließend eine Woche Chartertörn mit dem uns gut bekannten Kapitän Mariusz – die gleiche Städte vom Meer aus.
Die Autoreise durch Österreich, Ungarn, Serbien, und Bulgarien war schon ein Ereignis. Bei der Durchfahrt durch Belgrad, sieht man zahlreiche Lager für die aus Kosovo vertriebenen Serben. Was für ein trauriger Anblick, mitten in Europa im 21. Jahrhundert. Ansonsten macht Serbien einen sehr guten, zivilisierten Eindruck. Bei der Durchfahrt durch Bulgarien kann ich ganz genau dieselben Schlaglöcher in der Autobahndecke ausmachen wie bei meiner letzten Fahrt im Jahre 1989. Die Zeit steht da still will man meinen, es wurde nichts gemacht, trotz Systemwechsel und EU-Beitritt. Das ist auch traurig.
In Türkei angekommen, ist Troja unsere erste Station. Es ist wirklich unbeschreiblich, Die archäologischen Schichten zeugen vom Kreis der Aufbau und der Zerstörung, und vom wiederkehrendem Reichtum dieser Stadt. Dies hat sogar seglerische Relevanz: in der Antike mussten die Handelsschiffe genau hier auf die günstige Windrichtung warten, sie konnten nicht gegen Wind und Strömung (diese ist konstant gegen Süden gerichtet) den Hellespont (heute: Dardanellen) hoch segeln.

Bald kommen wir nach Izmir an, wo wir am Morgen Arek und seine Familie treffen. Sie sind angeflogen. Gemeinsam besichtigen wir die antiken Ruinen von Smyrna im Stadtzentrum des modernen Izmir.
Dann folgten die Tage, wo wir die Ruinen von Efes, Milet, und Priene besichtigten. Wir übernachteten unterwegs, die letzte Übernachtung war in Didima, wo am Fuß der imposanten, antiken Apollotempel eine zeitgenössische Stadt aufgewachsen ist. Dort trennten wir uns mit unserem Freund Arek und seiner Familie, da sie für dieses Jahr kein Segeln geplant hatten.

Von Didima aus fuhren wir nach Güllük. Für mich ist das eine sehr wichtige Ortschaft – dort habe ich die prägenden Jahren meiner Kindheit verbracht, in den frühen 80er, als meine Mutter und andere polnischen Ingenieure Kraftwerke in der Türkei bauten. Das war ein schönes Leben dort wo andere Urlaub machten. In Güllük hat sich natürlich Einiges verändert – viele Siedlungen entstanden dort, wo einst Wildschweine auf den Hügeln weideten, dafür ist der Industriehafen wo die Teile für die Kraftwerke entladen wurden, ist außerhalb der Stadt verlegt worden. Auch dicht bei Güllük wurde ein Flughafen lokalisiert, der heißt zwar Bodrum Flughafen. Von dort aus holen wir Mariusz und Ola, das letzte Crewmitglied ab, und fahren nach Yalikavak, wo wir das Boot übernehmen. Die Marina befindet sich auf der anderen Seite der Bodrum-Halbinsel, als die gleichnamige Stadt. So startet unser Törn etwas abseits des Geschehens. Wir sind zuerst auf die gegenüberliegende Ufer der Güllük-Bucht gesegelt und dort im kleinen Städtchen Kiyikislacik die Ruinen einer relativ bedeutenden, aber unbekannten Stadt Iassos zu besichtigen. Das Übernachten in einer türkischen Kleinstadt ohne Touristenscharen hat auch einen gewissen Charme.



Von dort aus segeln wir nach Didima, wo wir bei unserem ländlichen Teil der Ferien waren. Wir earfen Anker am Strand des kleinen Hotels, wo wir ein Paar Tage zuvor übernachteten und assen dort zur Abend zum Staunen der „Hotelmannschaft“. Die Übernachtung fast am Strand mit einer Hochseejacht – das war auch neu für uns.

Von Didima aus segelten wir endlich die Bodrum Halbinsel um und kamen in die Bodrum Marina, die direkt unter der alten Joanniterfestung liegt. Sie ist auf jedem Fall eines Besuchs wert, und die Stadt die sie mal behütete auch.

Von Bodrum aus mussten wir uns sputen, um die Halbinsel wieder zu umrunden und rechtzeitig in der Charterbasis anzukommen. Das war ein Bisschen stressig. Die Charterbedingungen erlaubten kein Nachtssegeln. So waren wir bemüht, einen Hafen oder eine Ankerbucht vor Sonnenuntergang zu erreichen. Die Bucht die wir gefunden haben, war auch sehr unruhig – die kahlen Hügel gaben kein Windschutz. Wir haben Ankerwachen gehalten, um sicherzustellen, dass trotz der Bootsbewegung im Wellengang und im Wind alles in Ordnung war. Am nächsten Tag kamen wir relativ spät nach Yalikavak an, gaben das Boot ab und beendeten somit den bisher interessantesten Törn. Er war eine schöne Kombination von Segelspaß und Besichtigung antiker Städte.

Weitere Abenteuer habe ich danach als Skipper der Charterboote erlebt.