Kroatiensegeln 2010 – 2011

Inzwischen aber haben Arek und ich vom Größeren geträumt: Segeln auf Hochsee.

Zum Ausprobieren dachten wir an Kojencharter, weil man reinschnuppern kann bevor sich gleich die Familien darauf einlassen. Arek hat eine polnische Firma gewählt, die dann alles organisiert hat: einen erfahrenen Berufsskipper mitsamt Boot in Kroatien. So sind wir im Sommer 2010 am Bord einer Elan 431, als Teil einer uns unbekannten Crew erschienen. Diese bestand aus zwei Ehepaaren von denen Keiner Segelerfahrung hatte. Trotzdem hat der Kapitän Mariusz den Törn so gestaltet, dass alle begeistert waren.

Wir haben weder gewaltig Strecke gemacht, noch atemberaubende Abenteuer erlebt. Auf dem Gebiet zwischen Šibenik, Zadar und Kornati sahen wir traumhafte Landschaften – sowohl karge Hügel als auch lebendige Wasserfälle. Wir haben in Marinas und in einsamen Buchten übernachtet, sehr oft getaucht und gebadet, mit den Crews der Nachbarjachten getrunken und gesungen. Das Ende schien uns viel zu schnell zu kommen deshalb haben wir, Arek und ich, uns versprochen, nächstes Jahr wieder in Kroatien zu segeln – diesmal mit unseren Familien. Und Mariusz wollten wir unbedingt wieder haben.

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Am Pfingstferien 2011 sind wir mit unseren zwei Jungs Jeremi (14) und Mieszko (13) in Auto nach Kroatien gekommen. Diese linden Hügel, die grün-graue Vegetation und das milde Meeresluft sind das Gefühl der Ferien. Und dann: Meeresblick! Von hoch oben schauen wir in die Bucht von Kaštela (Kaštelanski Zaliv) – dort werden wir in Kürze segeln! In Hafen von Kaštela treffen wir auch Kapitän Mariusz und Arek mit seiner Familie Monika und ihre Tochter Olivia (13). Wir übernehmen das Schiff – Mariusz checkt alles Technische ab.
Noch am Nachmittag segeln wir los, unser Tagesziel liegt in der Nähe: es ist Milna. Schon bei der Ausfahrt aus dem Kaštelanski Zaliv begrüßen uns Delfine, wir staunen wie verspielt und fröhlich sie mit unseren Boot wettrennen! In Milna machen wir noch einen kurzen Stadtbummel eher man sich Gute Nacht sagt.

Der erste Segeltag verläuft ruhig. Am Abend sind wir in der kleinen, von allen Richtungen außer Norden gut geschützten Bucht Laštovo angekommen. Wir werfen Anker vom Bug, und befestigen – mit Hilfe des Beiboots – eine Achterleine an die Felsen, dann schmeißen wir noch eine Party und schmeißen dann uns selbst glücklich und müde in die Kojen. Um zwei Uhr werde ich durch etwas geweckt – Mariusz läuft auf dem Deck. Was ist los? Eine Bora ist ganz plötzlich in der Nacht gekommen – ganz genau vom Norden… Wir sind auf unserem Ankerplatz nicht sicher, wir müssen raus aus der Bucht! Kaum angezogen bereiten wir beide das Boot zum Auslaufen vor. Die Achterleine müssen wir zurücklassen – keine Zeit jetzt mit dem Dingy an die Felsen zu paddeln. Anker auf, und mit voller Kraft gegen die Wellen, in die Ausfahrt, auf das freie Wasser!

Wenn die Sonne aufgeht, legt sich der Wind ein wenig und wir segeln immer noch ordentlich in die Richtung Korčula. Dort vor der Sonnenaufgang gekommen nehmen wir den ganzen Tag frei für die Besichtigung dieser Geburtsstadt von Marco Polo.

Das Ziel am nächsten Tag soll Pelagruža sein. Das wird die längste Tagesstrecke in unserer bisherigen Segelkarriere! ; ) Zum ersten Mal sehen wir kein Land, nur See am Horizont. Diese beiden Inseln gehören zwar zu Kroatien, liegen aber eigentlich näher an Italien als an kroatisches Festland. Von dort aus sieht man sogar die Küste von Apulien in der Ferne. An Pelagruža angekommen, ankern wir und baden im klaren Wasser. Mariusz fotografiert leidenschaftlich Seevögel. Es ist so schön und ruhig hier, wir sind alleine an diesem Ankergrund. Wir erholen uns so richtig durch den Nachmittag – und dann entscheiden wir uns, einen Nachtschlag zu machen.

Wir verteilen die Wachzeiten und dann segeln in die Nacht hinein. Es ist so schön ruhig in der Nacht. Leider ruht der Wind auch. Wir schalten Motor ein und gleiten über das spiegelglatte Meer. Unser Ziel: die Insel Biševo und ihre malerische blaue Grotte. Nur wenn wir früh genug dorthin ankommen, haben wir die Chance, die Grotte in Ruhe zu besichtigen, und der nächtliche Schlag gibt uns diese Chance. Als wir ankommen, ist es noch dunkel. Wir werfen Anker und bringen Achterleinen zum Land, und dann hauen wir uns kurz in die Kojen. Wir stehen nach dem Tagesanbruch auf und stellen fest: inzwischen sind noch 3 weitere Jachten angekommen. Trotzdem haben wir unsere Möglichkeit, ruhig mit dem Beiboot in die Grotte zu paddeln. Der Eingang ist sehr niedrig. Es gibt einen zweiten, größeren Eingang – der liegt unter dem Meeresspiegel. Dort, durch das Wasser, gelingt das Licht der aufgehenden Sonne in die Grotte. Das Wechselspiel der rötlichen Felsen und blauer Beleuchtung ist unvergesslich!

Nach dem Frühstück und dem Baden in der Bucht fahren wir die kurze Strecke nach Komiža, eine sehenswerte Stadt auf der Insel Viš, und anschließend eine längere Strecke nach Hvar. Diese geschichtsträchtige Stadt ist ein absolutes „Must-see“ für alle Fans der Festungsarchitektur! Aber auch andere Besucher sind von der malerischen Stadt unter den Hügeln, über denen Burgen aus unterschiedlichen Epochen thronen, sichtlich beeindruckt.

Übernachtet haben wir vor Anker in einer kleinen Bucht gegenüber der Stadt, und das war unsere letzte Übernachtung auf See in diesem Törn. Wir kehren nach Kaštela zurück um am Vorabend vor der Bootsübergabe im Charterstützpunkt zu übernachten. Diese Entscheidung erweist sich als weise auch unter der Sichtpunkt der Wettersituation: die Flaute von Vormittag, die uns die ganze Strecke unter Motor zurücklegen lässt, wird am Abend zu immer stärkeren Wind mutieren. In der Früh zählt unser Windmesser 53 (!) Knoten Wind in den Böen, und das im Hafen! Die Charterer, die erst am Morgen in den Hafen einfahren wollen haben es wegen des Wellengangs sehr schwer. Hin und wieder muss das Stützpunktcrew mit ihrem gut motorisierten Schlauchboot ausrücken und Jachten in den Hafen einschleppen. Wie durch eine wundervolle Vorsehung blieb uns dieser Abenteuer erspart. Und trotzdem sind wir nicht enttäuscht sondern wir fahren voll Eindrucke und Erinnerungen nach Hause. Weitere Abenteuer habe ich danach als Skipper der Charterboote erlebt.