Im Kern der Masuren 2011

Bisher waren wir im Süden, in Ruciane, als auch im Norden, in Wegorzewo. 2011 wollten wir in der Mitte anfangen – wir chartern also ab Mikolajki.

Dort angekommen, übernahmen wir das Boot, brachten unseres Zeug darauf, und todmüde nach der Fahrt fielen sofort in die Kojen. Vom Schlaffen konnte aber keine Rede sein – Mikolajki – ein Zentrum vom Erholungsgebiet Masurens ist in Partystimmung. Bis in die Nacht hinein ertönen laute Musik und aufgelöste Menschenschreie. Sich nach dem geregelten Leben auf dem ruhigen Dörfle sofort umzustellen fällt und schwer.

Am nächsten Tag steckten wir uns ein Ziel wieder Jora zu besuchen. Wir segelten also nach Norden, kreuzten auf dem Talty-See gegen einen immer stärker werdenden Wind. Wolken sammelten sich. Nach den Gewittererfahrungen vom letzten Jahr ist der Entschluss, lieber hier in der wilden Region des Ufers unsere Übernachtungsmöglichkeit zu suchen, gefallen. Der einladender Ufer mit den großen Bäumen die vor dem Wind schützen ganz in der Nähe, so segelten wir auf ihn zu. Wir wollen neben einen anderen Boot festmachen, der aber sich ganz breit vertaute, und seine Festmacherleinen reichten quer durch die Bucht und sperrten die Zufahrt zum Ufer. „Hallo, können Sie Ihre Leinen so umlegen, dass wir auch anlegen?“ „Nein, es sind meine Leinen, ich war hier zuerst!“. Ohne weitere Diskussion fuhren wie eine Bucht weiter und legten dort an. Es sind eben nicht alle nett hier!

Das Restaurant in Jora besuchten wir am folgenden Tag zu Fuß, ein kleiner Spaziergang entlang des Ufers des Sees, wo die Wellen wild tobten. Unsere Jacht war sicher – mit dem Heckanker in der Bucht und dem Bug hoch am Strand. Ein Tag wetterbedingt ohne Segeln.

Nachdem sich das Wetter beruhigt hat, entschieden wir uns, in die ruhigeren, südlichen Gebiete der Masuren zu segeln. Dort, im See Nidzkie, darf man weder mit Motor fahren, noch laut Musik hören. Am Mikolajki vorbei, schleusten wir das Boot durch Guzianka ohne große Ereignisse, und fuhren an Nida, den Ort wo wir vor zwei Jahren den Segelschein gemacht haben, vorbei. Gerade übte dort Jeremi, der ältere Sohn, für seinen Schein. Wir glaubten ihn mitten unter Jungs in einem kleinem „Opty“-Boot zu erkennen. Die Jungs übten so konzentriert, dass sie uns nicht zu bemerken schienen. So fuhren wir weiter und legten unter Segeln in Pranie an, wo wir die erste Nacht verbrachten. Anschließend ging es nun unter Segeln weiter nach Süden und wir übernachteten in einer Bucht.

Bei einem nächsten Anlegen in „Pod Debem“, lernen wir praktisch die Rolle des Seitenwindes. Er vertreibt uns viel schneller als wir – nur unter Fock – dem entgegenwirken können. Das Manöver klappt erst beim dritten Mal. Lehre für später: nicht kämpfen, sondern denken! Der Anlauf muss die Abdrift berücksichtigen! Das werden wir aber erst viel später testen können…

Die Hälfte der Charterzeit vorbei, Zeit an Rückkehr zu denken. Wir müssen wieder nach Mikolajki. Unterwegs halten wir in Wierzba, wo wir Tomasz und seine fünfköpfige Crew kennenlernten. Wir vereinbarten, am folgenden Tag gemeinsam in die große See Sniardwy zu segeln. Da musste man immer Ausschau wegen Steine und Untiefen halten. Der See öffnete sich breit vor uns, aber das Wetter spielte nicht mit – der Wind erreichte eine gefährliche für die leichte Schwertjacht Stärke von 4 Bft. Wir refften und legten Rettungswesten an. Mit immer größeren Wellen liefen wir die mit Tomasz vereinbarte Anlegestelle. Sie ist tief im Schilf versteckt und dadurch vor dem Unwetter sicher. Die Gemüter erhellten sich erheblich durch eine gemeinsame Party.

Und dann musste unser Chartertörn schon wieder enden. Am nächsten Tag segelten wir mit dem ungemütlichen Wind von Sniardwy heraus zu Mikolajki. Den letzten Abend auf dem Boot verbrachten wir mit unseren neuen Freunden, Gitarre, Gesang, und Flaschen die schnell leer wurden. Wie uns später klar wurde, war es der letzte Masurenbesuch beim Segeln.

* * *

Die Masuren sind unbeschreiblich schön. Für Segler bieten sie eine schöne Abwechslung zwischen Infrastruktur und Natur. Wir haben in Häfen, an Stränden, und unter Bäumen übernachtet. Wir haben Stürme im Schilf abgewettert. Wir haben uns über den jedes Jahr größer werdenden Andrang von Touristen und Segler auf den Seen und in Häfen geärgert. Aber bei jedem Törn haben wir auch sehr nette Segler getroffen.