Das große Boot 2010

Gleich nächstes Jahr wollten wir ein etwas größeres Boot ausprobieren. Aber eben nur ein Stückchen größer. Eine Maxus 24 haben wir in Wegorzewo, im Norden Masuren, reserviert. Angekommen beim Vercharterer, hörten wir „es tut uns leid, die Maxus 24 haben wir keine mehr, ihr kriegt aber eine 28 zum selben Preis.“ Leichte Panik breitete sich in mir aus. Wir hatten bis jetzt mit kleineren Booten Erfahrung. Das hier war 2 Meter größer als wir gewohnt waren; können wir damit umgehen?

Das Boot kam uns groß vor und es roch noch so neu. Wir breiteten uns darin aus und es ging los, in den Mamry-See. Am Bord hatten wir unsere neuste navigatorische Ausstattung: eine einlaminierte Karte der Masurischen Seen. Aber wir planten erstmal nichts, wir wollten ein Bisschen Spaß haben und segelten auf und ab auf Mamry um den Maxus kennen zu lernen. Plötzlich verdunkelten sich die Wolken – ein Gewitter zieht auf! Zurück in den Hafen? Nein, der südliche Himmel ist klar, wir segeln nach Süden. Die dunkle Wolke verfolgt uns. Vielleicht segeln wir nach Osten, in die Tajty-See? Die Wolke ist immer noch hinter uns! Zurück auf Mamry! Es wird auf einmal verdächtig ruhig auf dem Wasser, alle anderen Jachten sind weg, und der Wind stirbt auch…

Schnell bergen wir die Segel und machen Motor an. Wir fahren in die Richtung des Hafens Piekny Brzeg, aber ich weiß, dass wir es bis dorthin nicht schaffen können. Es kommt plötzlich Wind, Regen, die Welt wird grau, und die Sicht verringert sich auf wenige Meter. Am Steuerbord befindet sich eine Insel, Katzeninsel heißt sie. Dort suchen wir Schutz im Schilf! Die Crew bereitet das Boot im strömenden Regen auf das Ankern im Schilf. Anker werfen, Schwert und Steuerblatt hochziehen, Motor aus und hochziehen, mit Wucht in den Schilf! Wir stehen windgeschützt, während auf offenem See der Sturm heult.

Eine halbe Stunde später hatte sich alles beruhigt. Wir suchten einen Hafen fürs Übernachten, denn von wilder Natur hatten wir schon genug. Alles was nass geworden musste ordentlich trocknen.

Am nächsten Tag ging es nur langsam voran, nach längerem Schlafen und gemütlichen Segeln steuerten wir zur Abwechslung einen Strand an mit der Absicht dort zu Übernachten. Anlegen rückwärts am sandigen Ufer geht so:

  • Anker vorne fallen
  • Fahrt achteraus aufnehmen
  • Schwert hochziehen
  • Ruderblatt hochziehen
  • Motor (Außenborder) ausschalten und hochziehen

Die Möglichkeiten, das Manöver in seinem Verlauf zu korrigieren, sind begrenzt. Dafür, wenn man das richtig macht, kann man trockenen Fußes vom Heck auf den Strand gehen.

Am Strand in Mamerki gab es am Abend Gesang und Gitarrengeklimper bei Lagerfeuer. Das ist das schöne Leben der Segler.

<Maxus 28 w Mamerkach>

Am nächsten Tag machten wir uns auf dem Weg Richtung Süden. Wir wollten wieder den Hafen Sztynort anlaufen und Shanties-Konzert beiwohnen, wie zwei Jahre zuvor. Danach ging es wieder nach Norden, zurück zur Charterbasis Wegorzewo. Mit gewissen Trauer gaben wir das Boot ab und kehrten nach Hause zurück. Bis zum nächsten Jahr, Masuren!

* * *

Weiter geht es mit Im Kern der Masuren 2011