Hiddensee und Rückreise mit Unterbrechung

von Mikolaj Trzeciecki / am 21.05.2019 / in Allgemein

Dienstag, 7. Mai

Als erstes wollen wir uns richtig stellen, also von der Longside-Position in die Box. Ich möchte den Motor nicht nur deswegen anschmeissen, der Wind wird uns schon in die Box treiben – denke ich. Der Wind tut dies, aber mit so einer Wucht, dass wir mit unserem Flagstock in der Dalbe landen. Die Dalbe überlebt das, der Flagstock nicht. Die nächste Arbeit ist also gleich fällig: einen Stock aus dem Baumarkt, den ich zufällig am Bord entdecke, zu einem Flagstock umzufunktionieren. Hatte der Voreigner eine Vorahnung, was unser Manövrieren an Dalben betrifft?

Ein altes Restaurantschiff in Vitte sitzt ganz tief. Auch mit der Karre un deren Pflanze war wahrscheinlich etwas Anderes geplant…

Da wir, wie bei unseren Törns üblich, Segeln mit Besichtigungen am Land kombinieren wollen, machen wir einen Ausflug nach Neuendorf. Diese Siedlung, südlich von Vitte auf der Insel gelegen, wird im Törnführer als architektonisch ursprünglich und dadurch hübsch angepriesen. Wir finden eine fortlaufende Bautätigkeit ihm Ort vor, die auch ihm zu Gute kommen wird. Die Strecke dorthin ist aber auch landschaftlich interessant.

Wo bleibt das Internet in Bayern? Hier im Osten wächst es auf dem Feld!

Wir kommen aus unserem Fuß-Ausflug erst am späten Nachmittag zurück. Neben uns steht eine schöne Halberg-Rassy, die einem freundlichen Paar, Beatrice und Peter, gehört. Wir kommen ins gespräch und verbringen den Abend gemeinsam.

Mittwoch, 8. Mai

Heute soll der Tag des etwas ruhigen Wetters sein. Ich hatte geplant, Leinen am Mast zu enttudeln, was man im 20kn Wind nicht machen kann. Stattdessen weht heute seit dem Morgengrauen ein starker, kalter Ostwind. Der bringt sibirische Kälte mit.

Da ich doch nichts am Boot machen kann, machen wir mit unseren freundlichen Nachbarn, Beatrice und Peter, einen Ausflug über das Dorf Kloster zum Leuchtfeuer Dornbusch.

 

Donnerstag, 9. Mai

Heute ist der Tag,dass wir die Rückreise nach Rostock antreten sollen. Gemäß der Vorhersage sollen wir zumindest am Anfang des Tages einen günstigen Ostwind haben. Der Ostwind gilt auf jedem Fall im Hafen, wo er die Ausfahrt erschwert. Es ist nicht mehr so eisig kalt wie gestern, dafür regnet es die ganze Zeit – bis wir Dornbusch umrunden. Dann kommt die Sonne mit dem Wind… aus Westen. Ein ruhiger Wind mi der Stärke 4 lädt dazu ein, voll ausgerefft zu segeln. Wir machen 6 Knoten dicht am Wind – schade dass in eine etwas falsche Richtung (wir kreuzen). Trotzdem sind wir ganz froh. Darßer Ort sehen wir schon – vielleicht kommen auch diesmal dort die Delfine?

Der Wind stirbt allmählich. Wir wollen hier nicht ewig dümpeln und ich schalte den Motor ein. Dabei schaue ich, wie immer, vom Heck runter, ob Kühlwasser austritt – es tut aber nicht, stattdessen kommt ganz viel weißer Rauch. Bald ertönt ein Warnton aus dem Motor – die Temperatur istzu hoch! Schnell den Motor ausschalten, dann nach dem Problem suchen… Irgendetwas mit der Kühlung? Der Seewasserfilter ist sauber, aber verdächtig leer. Ich schraube die Pumpe ab, überprüfe den Impeller – der ist in Ordnung. Es fällt mir aber auf, dass das Antriebsrad sich leicht dreht – zu leicht. Seine Achsenöffnung ist ausgelaugt, es dreht sichmit dem Keilriemen, treibt die Pumpe aber nicht an. Das kann ich nicht mit Bordmitteln reparieren… Ich setze eine Pan-pan Meldung ab.

Nach einer Stunde kommt die „Vormann Jatzen“ mit seiner freundlichen Crew und wir werden mit der Geschwindigkeit von 8 Knoten nach Barhöft abgeschleppt. Wenigstens das gute kommt aus der Geschichte, dass wir diesen sympathischen Hafen kennenlernen. Mit Hilfe des Beibootes von „Vormann Jantzen“ legen wir longside in Barhöft an.

Der Hafenmeister gibt uns den Kontakt zu einem Motorenspezialist Benjaomin, der uns helfen könnte. In einem Telefonat vereinbare ich den Termin gleich am nächsten Morgen am Boot.

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